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„Ich klicke nichts mehr an“ ist keine Lösung – ULC fordert klare Haftungsregeln und echte Sicherheit im digitalen Alltag

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04 Februar 2026
©janews/shutterstock.com

Mit seiner Aussage in einem Radiointerview, er klicke nichts mehr an, auch wenn es von LuxTrust komme, hat der Präsident des LuxTrust-Verwaltungsrats, Serge Allegrezza, vergangene Woche für erhebliche Irritation gesorgt. Natürlich ist angesichts der Vielzahl an Online-Gefahren ein hohes Maß an Vorsicht und Skepsis geboten – Verbraucherinnen und Verbraucher sollen definitiv nicht bedenkenlos auf jeden Link klicken oder jede Nachricht ungeprüft öffnen. Doch wenn selbst führende Verantwortliche zentraler digitaler Sicherheitsinfrastrukturen öffentlich erklären, dass sie digitalen Kommunikationswegen nicht mehr trauen, ist das aus Sicht der ULC ein mehr als alarmierendes Signal.

„Resignation kann keine tragfähige Antwort auf Cyberkriminalität sein. Es stellt sich vielmehr eine entscheidende Frage: Wie sollen Verbraucherinnen und Verbraucher sicher am digitalen Leben teilnehmen, wenn selbst die Betreiber der Systeme Zweifel säen?“, so ULC-Präsident Paul Gries.

Immer mehr Menschen werden faktisch zum Online-Banking und zur Nutzung digitaler Identitätslösungen gedrängt. Bankfilialen schließen, Papierverfahren verschwinden, analoge Alternativen werden reduziert. Der digitale Zugang zu Bankdienstleistungen ist für die meisten Menschen längst keine Option mehr, sondern Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Gerade deshalb darf Cyberkriminalität nicht zu einem Privatproblem der Verbraucher erklärt werden.

Verantwortung darf nicht auf Verbraucher abgewälzt werden

In der Praxis erleben wir immer wieder, dass Banken und Dienstleister bei Betrugsfällen reflexartig argumentieren, die Opfer hätten „fahrlässig gehandelt“, sobald ein Link angeklickt oder eine vermeintlich legitime Nachricht beantwortet wurde.

Dabei ist die Realität eindeutig: Phishing ist heute hochprofessionell, KI-gestützt, täuschend echt – und oft selbst für geschulte Nutzer kaum erkennbar. Ein System, das nur funktioniert, wenn niemand mehr etwas anklickt, ist kein sicheres System.

Im Hinblick auf den Safer Internet Day 2026 (am Dienstag, dem 10. Februar) fordert die ULC eine digitale Sicherheitsarchitektur, die Verbraucher nicht alleinlässt. Dazu gehören insbesondere:

  • verbindliche Haftungsregeln, die Banken und Sicherheitsdienstleister stärker in die Pflicht nehmen
  • standardisierte, sichere Kommunikationskanäle, die nicht auf unsichere Links oder E-Mails angewiesen sind
  • bessere Echtzeitwarnsysteme bei verdächtigen Transaktionen
  • einfachere Rückerstattungsverfahren bei Betrug, statt jahrelanger Streitigkeiten
  • mehr Transparenz, welche Sicherheitsmechanismen LuxTrust und Banken tatsächlich garantieren


Mit der neuen Zahlungsdienste-Richtlinie PSD3 (Payment Services Directive) und der begleitenden Verordnung PSR (Payment Services Regulation) will die Europäische Union den Verbraucherschutz im Zahlungsverkehr stärken und Sicherheitslücken schließen.

Die Richtlinie sieht unter anderem vor:

  • eine bessere Prävention und Bekämpfung von Zahlungsbetrug
  • klarere Verantwortlichkeiten zwischen Banken, Zahlungsdienstleistern und Identitätsanbietern
  • einen verbesserten Verbraucherschutz bei betrügerisch ausgelösten Zahlungen
  • harmonisierte Standards für starke Kundenauthentifizierung
  • effizientere Mechanismen zur Rückerstattung und Streitbeilegung


Im Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher muss die Umsetzung in Luxemburg ambitioniert erfolgen – und nicht wie so oft minimalistisch nach dem Grundsatz „Die Richtlinie und nichts als die Richtlinie“.

Das Thema Cybersicherheit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Verbraucher können vorsichtig sein – aber sie können nicht allein die letzte Verteidigungslinie darstellen. Digitale Sicherheit darf nicht auf Angst beruhen, sondern auf Vertrauen, Verantwortung und funktionierenden Schutzmechanismen.

„Wenn die Antwort auf Cyberkriminalität lautet: Klickt einfach nichts mehr an, dann ist die Digitalisierung gescheitert. Verbraucher brauchen keine Resignation, sondern Rechte, Schutz und Verantwortung der Anbieter“, so ULC-Präsident Paul Gries.

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