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Was der Nutri-Score zeigt und was nicht - Orientierung auf der Verpackung

Drei Müslipackungen zu ähnlichen Preisen: Eine trägt einen grünen, eine einen gelben, die dritte keinen Nutri-Score. Das Logo soll den Vergleich erleichtern. Doch wie wird die Note berechnet und wo liegen ihre Grenzen?
30 Oktober 2026
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Drei Packungen Müsli im Supermarkt, ähnlicher Preis. Auf der einen steht ein grüner Buchstabe, auf der zweiten ein gelber, die dritte trägt keinen Nutri-Score. Das Logo soll den Vergleich erleichtern. Doch was genau wird bewertet und wie viel sagt die Note über ein Lebensmittel aus?

Gerechnet wird pro 100 Gramm

Das Logo fasst das Nährwertprofil eines Lebensmittels in fünf Stufen zusammen, von A in Dunkelgrün bis E in Dunkelorange. Grundlage sind 100 Gramm oder 100 Milliliter. Energie, Zucker, gesättigte Fettsäuren und Salz führen zu ungünstigen Punkten, bei Getränken auch bestimmte Süßstoffe. Günstig bewertet werden dagegen Ballaststoffe, Eiweiß sowie der Anteil an Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten. Die Hersteller berechnen den Score selbst und verantworten seine Richtigkeit. In Luxemburg kann die Veterinär- und Lebensmittelverwaltung ALVA die korrekte Verwendung kontrollieren.

Hilfreich ist der Vergleich per Nutri-Score bei ähnlichen Produkten, etwa zweier Müslis oder Fruchtjoghurts. Brot und Orangensaft gegeneinander abzuwägen, hilft wenig. Doch Vorsicht: Ein A erlaubt keinen unbegrenzten Verzehr, ein E ist kein Verbot!

Weniger Zucker, Salz oder gesättigte Fettsäuren und mehr Ballaststoffe können die Bewertung verbessern. Das schafft einen Anreiz für die Hersteller, Rezepturen zu überarbeiten. Eine neue Note kann allein auf geänderten Berechnungsregeln beruhen, obwohl das Rezept gleich geblieben ist. Hier gilt es demnach aufzupassen.

Neue Formel und alte Packungen

Die überarbeitete Berechnung soll die nationalen Ernährungsempfehlungen der beteiligten Länder besser abbilden. Zucker- und salzreiche Produkte werden strenger bewertet, Vollkornprodukte deutlicher von Weißmehlvarianten unterschieden. Oliven-, Raps- und Walnussöl erhalten B statt C. Einige fettreiche Fische wie Makrele oder Hering schneiden günstiger ab. Bei rotem Fleisch verbessert ein hoher Eiweißgehalt die Bewertung nur noch begrenzt.

Milch, Trinkjoghurt und pflanzliche Getränke werden nun nach den Kriterien für Getränke bewertet. Entrahmte und teilentrahmte Milch erreichen in der Regel B, Vollmilch C. Wasser ist die einzige Getränkekategorie mit A. Erfrischungsgetränke mit Süßstoffen können nach der neuen Formel von B auf C bis E abrutschen. Süßstoffe bringen ungünstige Punkte, Zuckeralkohole wie Xylit oder Erythrit dagegen nicht.

In Luxemburg gilt die neue Berechnung seit dem 5. März 2024. Die zweijährige Übergangsfrist endete am 5. März 2026. In Deutschland, Belgien und der Schweiz war sie bereits Ende 2025 abgelaufen. Frankreich führte die neue Formel am 16. März 2025 ein, dort läuft die Umstellung bis März 2027. Freiwillige Zusätze wie „Nouveau calcul“ oder „Neue Berechnung“ kennzeichnen die neue Formel. Weil ältere Ware abverkauft werden darf und Frankreich mehr Zeit hat, können im Regal noch unterschiedlich berechnete Noten stehen.

 

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Wo die Aussagekraft endet

Der Nutri-Score erfasst nur einen Teil der Eigenschaften eines Lebensmittels. Wie viele Vitamine und Mineralstoffe es enthält, lässt sich am Buchstaben nicht ablesen, etwa der Calciumgehalt eines Milchprodukts. Auch über Allergene oder Pestizidrückstände sagt die Note nichts aus. Aromen und Geschmacksverstärker werden nicht gesondert bewertet. Den industriellen Verarbeitungsgrad bildet der Nutri-Score nicht als eigenes Kriterium ab. Deshalb kann auch ein stark verarbeitetes Produkt gut abschneiden.

Herkunft, Bioerzeugung und Tierwohl haben keinen Einfluss auf den Nutri-Score. Milch aus dem Ösling und der Bretagne erhält bei gleichen Nährwerten dieselbe Note. Regionale oder biologische Produkte erhalten nicht automatisch eine bessere Bewertung. Wer darauf Wert legt, braucht zusätzliche Herkunftsangaben und Kennzeichnungen.

Die Bewertung pro 100 Gramm erlaubt einen einheitlichen Vergleich unabhängig von Portionsangaben. Wie viel tatsächlich gegessen wird, bildet sie nicht ab. Eine kleine Schale Müsli und eine große Portion derselben Mischung tragen dieselbe Note, liefern aber unterschiedliche Mengen an Zucker und Energie.

Die am Nutri-Score beteiligten Länder planen weitere wissenschaftliche Prüfungen. Laut ihrem gemeinsamen Bericht vom Oktober 2026 soll 2026 und 2027 untersucht werden, ob künstliche Süßstoffe auch in festen Lebensmitteln berücksichtigt werden sollten. Geprüft werden sollen außerdem mögliche Änderungen bei der Bewertung von Zucker, Salz und gesättigten Fettsäuren. Ob die Berechnung erneut geändert wird, steht noch nicht fest.

Freiwillig mit Lücken

Der Nutri-Score bleibt freiwillig. Für die meisten vorverpackten Lebensmittel ist dagegen die Nährwerttabelle verpflichtend. Wer das Nutri-Score-Logo nutzt, verpflichtet sich nach den Nutzungsbedingungen, die Produkte seiner angemeldeten Marke zu kennzeichnen. Nur die gut bewerteten Artikel einer angemeldeten Marke auszuzeichnen, ist damit nicht beliebig möglich. Marken können jedoch ganz auf die Teilnahme verzichten. Ein fehlender Score beweist aber im Umkehrschluss nicht unbedingt eine ungünstige Zusammensetzung. Die Debatte über eine Pflichtkennzeichnung hält an: In Frankreich hat eine Petition dafür mehr als 100.000 Unterschriften gesammelt. Am 7. Oktober 2026 befasste sich der Sozialausschuss der Nationalversammlung mit der Petition; dazu wurde ein parlamentarischer Bericht vorgelegt.

Einige bekannte Marken haben sich in Frankreich bereits vom Nutri-Score zurückgezogen. Nach Schätzungen der Lebensmittelbeobachtungsstelle Oqali entfielen 2025 noch 63 Prozent des Absatzes der untersuchten verarbeiteten Lebensmittel auf teilnehmende Marken. Ein Jahr zuvor waren es 64 Prozent. Die Verbraucherzeitschrift Que Choisir berichtete im Mai 2026, dass innerhalb eines Jahres 86 Unternehmen die Teilnahme für mindestens eine ihrer Marken beendet hatten. Im selben Zeitraum meldeten jedoch 216 Unternehmen neue Marken an oder weiteten ihre Teilnahme aus. Sie berichtete auch von Rückzügen bei Danones Marken Actimel und Danette, während andere Konzernmarken das Logo weiter nutzten. Verbraucherschützer sehen schlechtere Noten als Grund.

Der Molkereikonzern Lactalis wehrt sich in Frankreich gegen die Einstufung von Milch und Trinkjoghurt als Getränke. In diesem Verfahren legte der Conseil d’État dem Europäischen Gerichtshof am 16. Juni 2026 zwei Fragen vor: ob das EU-Recht eine zusammenfassende Note per Buchstabe oder Farbe erlaubt und ob sie Bestandteile außerhalb der Nährwertdeklaration berücksichtigen darf. Dabei geht es auch um Süßstoffe. Bis zur Antwort ruht das Verfahren.

Am Regal kann der Nutri-Score also durchaus helfen, ähnliche Produkte zu vergleichen. Es lohnt sich aber, die Packung umzudrehen und auch die Zutatenliste und die Nährwerttabelle zu lesen. Und wie viel wir von etwas essen und was sonst auf den Tisch kommt, entscheiden wir selbst.

 

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