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Zwischen Nutzen, Risiken und neuen Beziehungen - Wie junge Menschen die digitale Welt erleben

Der BEE SECURE Radar 2026 zeigt, wie Kinder und Jugendliche digitale Medien nutzen. Der Bericht verdeutlicht Chancen und Risiken der Onlinewelt und zeigt, wie stark Künstliche Intelligenz bereits ihren Alltag prägt.
20 März 2026
© Ascannio / Shutterstock.com

Der BEE SECURE Radar 2026 gibt einen detaillierten Einblick in die digitale Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Der am 10. Februar anlässlich des Safer Internet Day vorgestellte Bericht zeigt, wie vielfältig, ambivalent und dynamisch die Nutzung digitaler Medien heute ist – und wie stark insbesondere Künstliche Intelligenz (KI) in den Alltag junger Menschen eingedrungen ist.

KI wird Alltag – und manchmal mehr als ein Werkzeug

Die fünfte Ausgabe des BEE SECURE Radar zeichnet ein klares Bild: Digitale Technologien sind für junge Menschen in Luxemburg selbstverständlich – und Künstliche Intelligenz entwickelt sich rasant vom Experiment zur Routine. 84 Prozent der 17- bis 30-Jährigen nutzen Chatbots zumindest gelegentlich, fast jede fünfte Person sogar täglich eine Stunde oder länger. Anwendungen wie ChatGPT helfen dabei nicht nur bei der Informationssuche oder beim Lernen. Für viele übernehmen sie auch emotionale Funktionen.

17 Prozent der Befragten bezeichnen KI als eine Art „Freund“, 20 Prozent sagen, sie helfe gegen Einsamkeit. 45 Prozent holen sich persönliche Ratschläge, und mehr als jede fünfte Person spricht mit Chatbots über Themen, die sie sonst niemandem anvertrauen würde. Gleichzeitig bleibt die reale Welt wichtig: Drei Viertel bevorzugen weiterhin menschliche Gesellschaft.

Diese Zahlen zeigen: KI ist für einen Teil der jungen Generation nicht nur ein Werkzeug, sondern eine soziale Begleitstruktur – mit Chancen, aber auch neuen Fragen für Pädagogik, Psychologie und Medienkompetenz.

Wohlbefinden: Digitale Kommunikation hilft – soziale Netzwerke belasten

Die Studie macht deutlich, dass Online-Erfahrungen sehr unterschiedlich bewertet werden. Klassische digitale Kommunikation – etwa Chatten mit Freunden – wird überwiegend positiv wahrgenommen: 57 Prozent der jungen Erwachsenen sehen darin einen Beitrag zu ihrem psychischen Wohlbefinden. Auch die Nutzung von KI wird von 49 Prozent als unterstützend empfunden.

Ganz anders fällt die Bewertung sozialer Netzwerke aus. 59 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass Plattformen ihr Wohlbefinden eher negativ beeinflussen. Trotzdem bleibt die Nutzung hoch: Nur elf Prozent verbringen weniger als eine Stunde täglich auf Social Media, etwa ein Drittel ist vier Stunden oder länger aktiv.

Diese Diskrepanz zwischen kritischer Einschätzung und intensiver Nutzung deutet auf eine starke Bindungswirkung der Plattformen hin – ein Muster, das auch internationale Studien bestätigen.

Hassrede als Teil des digitalen Alltags

Besonders besorgniserregend ist die hohe Konfrontation mit problematischen Inhalten. Vier von fünf jungen Erwachsenen berichten, zumindest gelegentlich Hassrede gegen bestimmte Gruppen zu sehen – etwa aufgrund von Geschlecht, sexueller Orientierung, Herkunft oder Religion. Rund die Hälfte stößt auch auf abwertende Inhalte gegenüber Menschen mit Behinderung. Am häufigsten treten solche Erfahrungen auf Plattformen wie Instagram und TikTok auf, gefolgt von Facebook und YouTube.

Die Ergebnisse unterstreichen, dass digitale Teilhabe für viele junge Menschen auch bedeutet, regelmäßig mit toxischen Inhalten konfrontiert zu sein – ein Faktor, der das subjektive Wohlbefinden zusätzlich belastet.

Kritisches Denken unter KI-Einfluss

Ein weiterer Schwerpunkt des Berichts liegt auf den Auswirkungen von KI auf Kompetenzen. Ein Drittel der Befragten glaubt, dass Chatbots ihr kritisches und eigenständiges Denken eher schwächen. 16 Prozent sehen einen positiven Effekt, während 40 Prozent keinen Einfluss feststellen.

Besonders stark wird der Einfluss von KI auf Rechercheverhalten und Informationsbewertung wahrgenommen. Soziale Fähigkeiten oder Empathie scheinen dagegen weniger betroffen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der kompetente Umgang mit KI – etwa das Überprüfen von Antworten oder das kritische Hinterfragen – zu einer zentralen Zukunftskompetenz wird.

KI als „Freund“: Bei vielen jungen Menschen übernehmen Anwendungen wie ChatGPT auch emotionale Funktionen.

 (© PerfectWave / Shutterstock.com)

 

Familien im Gespräch – aber oft nur über Risiken

Auch der familiäre Kontext wurde untersucht. Die meisten Eltern sprechen mit ihren Kindern über Gefahren im Internet: 62 Prozent der Eltern von 3- bis 11-Jährigen und 97 Prozent der Eltern von 12- bis 16-Jährigen geben an, solche Gespräche bereits geführt zu haben.

Deutlich seltener geht es jedoch um konkrete Erfahrungen. Nur etwa die Hälfte der Schülerinnen und Schüler würde nach einer negativen Online-Erfahrung mit der Familie sprechen – und rund jedes zehnte Kind sagt, es würde sich niemandem anvertrauen.

Das deutet auf eine wichtige Lücke hin: Prävention findet statt, aber der offene Austausch über Erlebnisse im digitalen Alltag bleibt ausbaufähig.

Fazit: eine Generation zwischen Chancen und Ambivalenz

Der BEE SECURE Radar 2026 zeigt keine einfache Erfolgsgeschichte und kein Krisenszenario – sondern eine digitale Realität voller Widersprüche. KI wird als hilfreich, manchmal sogar als emotional unterstützend erlebt. Gleichzeitig wachsen Sorgen um kritisches Denken und soziale Abhängigkeiten. Soziale Netzwerke werden intensiv genutzt, obwohl ihre Wirkung auf das Wohlbefinden überwiegend negativ eingeschätzt wird. Und während Eltern über Risiken sprechen, fehlt oft der Raum für echte Erfahrungen.

Für Bildung, Jugendarbeit und Familien ergibt sich daraus eine klare Aufgabe: Medienkompetenz muss heute mehr sein als Sicherheit und Zeitbegrenzung. Gefragt sind Gesprächskultur, kritisches Denken – und die Fähigkeit, digitale Technologien bewusst und reflektiert in das eigene Leben zu integrieren.

Der BEE SECURE Radar 2026 steht unter der Adresse www.bee-secure.lu/de/publikation/bee-secure-radar/ zum Download bereit.

Subjektive Wahrnehmung der KI-Nutzung

  • 17 Prozent sehen KI als eine Art „Freund“ oder Vertrauten
  • 20 Prozent sagen, KI helfe ihnen, sich weniger allein zu fühlen
  • 5 Prozent meinen, KI könne Zeit mit anderen Menschen ersetzen.
  • Dennoch bevorzugen 76 Prozent weiterhin reale Gesellschaft
  • 45 Prozent nutzen KI wenigstens manchmal für persönliche Ratschläge
  • 22 Prozent sprechen mit KI über Themen, die sie sonst mit niemandem teilen würden

 

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